Der Kreißsaal in Radolfzell ist von Schließung bedroht

Die Ursache: Eine Ärztin des Belegärzteteams ist im Juni ausgeschieden, für ihre Nachfolgerin musste eine neue Haftpflichtversicherung gezeichnet werden. Die Versicherung des Klinikums war dazu nur bereit, wenn die Verträge der anderen beiden Ärzte angepasst werden würden. Die bisherige Versicherungsprämie betrug 45.000 Euro pro Jahr und sollte jetzt auf über 150.000 Euro angehoben werden. In Radolfzell führte in den vergangenen 12 Jahren kein geburtshilflicher Schadensfall zu einer Zahlung durch die Versicherung. Die Steigerung ist durch die vermehrten Klagen von Patienten, Kassen und Rentenversicherungsträgern zu erklären, durch die veränderte Rechtssprechung und nicht zuletzt durch die medizinischen Erfolge, die geschädigten Neugeborenen ein langes aber auch teures Leben möglich machen. Da diesen Versicherungsprämien keine Erhöhung der Arzthonorare gegenüber stehen, sind diese nicht zu erwirtschaften. (Wenn alle Kinder per Kaiserschnitt kämen ginge es etwa auf, aber zu jeder Spontangeburt müssten die Ärzte schon Geld mitbringen). Vergleichsangebote anderer Versicherer fallen noch höher aus.

Die Stadt Radolfzell möchte ihren Kreißsaal sehr gerne behalten und wäre auch bereit, finanziell zu unterstützen, nur kann sie die Haftpflichtversicherung nicht einfach übernehmen oder das Geld an die Ärzte bezahlen. Das ist juristisch nicht möglich. Die Ärzte in der Klinik anzustellen, ist ebenfalls nicht möglich, da sie neben der Praxis nicht mehr als 13 Stunden pro Woche angestellt tätig sein dürfen. Zusätzliche Ärzte anzustellen wäre wirtschaftlich und personell schwierig. Bis 31.12.2016 hat die Versicherung eine Übergangslösung zum alten Tarif bewilligt, danach ist Schluss.

Na und? Es ist gibt ja noch Kreißsäle in Konstanz und Singen

Politisch ist es durchaus gewollt, alles auf große Zentren zu bündeln. Das ist in der Geburtshilfe aber schlecht möglich und auch nicht sinnvoll.

Einzigartige Frauen gebären einzigartige Babys – das geht nicht nach Plan und wie am Fließband.

Wir brauchen die Vielfalt! Durch schlechte Bezahlung und schwierige Zeiten mit der Haftpflicht, haben viele Hebammen aufgegeben. Wir haben kein Geburtshaus mehr und nur noch eine Hausgeburts- und Beleghebamme für den ganzen Landkreis! Kaum eine Krankenkasse übernimmt noch die Kosten für eine Geburt in der Schweiz.

Wir brauchen den Platz! Schließt Radolfzell seinen Kreißsaal müssen über 500 Familien sich neu entscheiden. Einige werden sich vielleicht für eine Hausgeburt entscheiden, die meisten Familien werden nach Konstanz oder Singen fahren. Keines der beiden Häuser hat die bauliche Möglichkeit, kurzfristig einen weiteren Geburtsraum einzurichten. Auch bräuchte man deutlich mehr Personal, das schwer zu bekommen ist und auch erst eingearbeitet werden muss.

Die Lösung: Nach langem Prüfen gibt es nur diese eine Möglichkeit: Die Ärzte werden über die Klinik versichert und bekommen einen Honorarvertrag, werden also statt durch die kassenärztliche Vereinigung zukünftig von der Klinik bezahlt. Laut Hr. Fischer (Geschäftsführer des Gesundheitsverbundes Landkreis Konstanz) wird es dann aber doppelt so teuer und das übersteigt dann den Betrag, den Radolfzell höchstens zuschießen darf. Deshalb ist ein jährlicher Zuschuss des Landkreises erforderlich. Wenn jetzt also die Ärzte, die Stadt Radolfzell, der Klinikverbund und der Landkreis bereit sind zusammenzulegen, kann der Kreißsaal erhalten bleiben.